tithu-Sammlung: Zeremonielle Holzfiguren der Hopi

Derzeitige Lage und Ausdehnung des Reservats der Hopi.

Der heutige Querverweis bringt uns zu einer Sammlung faszinierender Figuren aus geschnitztem Holz, zwischen zehn und dreißig Zentimeter hoch, kunstvoll bemalt und teilweise mit Federn oder Haaren verziert. Diese tithu genannten religiösen Objekte der Hopi repräsentieren Katsinam, Geister von Tieren oder Pflanzen, von Naturerscheinungen oder Göttern. Schon lange erregen sie auch das Interesse weißer Künstler, Ethnologen und Sammler. Zu den Sammlern gehören Antonio und Christin Ferretti, Schweizer Radfahrer und Kochbuchautorin, die ihre über dreißig Jahre entstandene Sammlung 2018 an das Nordamerika Native Museum der Stadt Zürich übergaben.

Danach war ein Teil der Figuren vorübergehend in einer Sonderausstellung zu sehen und ab dem 4. April werden manche der tithu in der Dauerausstellung integriert sein. Zwischenzeitlich widmeten sich Ethnologe Markus Lindner und Kunsthistorikerin Hilja Droste gemeinsam mit Studierenden der Universität Frankfurt der Sammlung. Herausgekommen ist die unglaublich sehenswerte virtuelle Ausstellung “Die Wanderer”: Fotografien der fast zweihundert tithu jeweils begleitet von einem erklärenden Text. Weitere Texte widmen sich der allgemeinen Bedeutung in der Kultur der Hopi, den zugehörigen Zeremonien und der Geschichte der Wahrnehmung durch die weißen Europäer. Außerdem gibt es eine umfangreiche Literaturliste, um größeren Wissensdurst zu stillen.

Wegen des großen Interesses an den Figuren durch Weiße hatten Hopi bald angefangen, direkt für den Verkauf an die Reisenden zu schnitzen. Aber “unter Hopi gibt es verschiedene Ansichten darüber, wie mit Katsinam und tithu umgegangen werden soll” schreibt uns Markus Lindner. So seien einige der Meinung, das Menschen oder Gottheiten nicht als tithu geschnitzt werden dürfen. Andere interpretieren das anders, daher gibt es Figuren deren Darstellung nicht alle Hopi billigen. Auch in der Ferretti-Sammlung. Markus Lindner: “Wir haben uns entschlossen, den Weg zu gehen, bei dem wir nur tithu zeigen, die nach unserem Wissen, niemanden stören”. Die Ausstellung solle aber auch nicht verheimlichen, das es solche Figuren gibt. Deshalb sind manche Fotos verpixelt.

©Niko Komin (@kokemikal)

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